Optimale Nachsorge verstehen
Kieferhöhlenoperation
Warum wird ein Eingriff an der Kieferhöhle durchgeführt?
Die Kieferhöhle ist ein luftgefüllter Hohlraum im Oberkiefer. Sie befindet sich oberhalb der Seitenzähne und spielt eine wichtige Rolle für die Belüftung der Nasennebenhöhlen.
In bestimmten Situationen kann ein chirurgischer Eingriff an der Kieferhöhle notwendig werden.
Häufige Gründe sind:
- Entfernung eines Fremdkörpers aus der Kieferhöhle
- Entfernung von Wurzelresten
- Entfernung von Zahn- oder Implantatanteilen
- Entfernung von Zysten
- Entfernung auffälliger Schleimhautveränderungen
- Entfernung entzündlicher Gewebeveränderungen
- Gewinnung von Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung
- Behandlung chronischer Entzündungen
- Verschluss einer Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle
- Entfernung unklarer Raumforderungen
Was müssen Sie vor der Zahnextraktion beachten?
Medikamente
Bitte informieren Sie uns über sämtliche Medikamente, die Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen.
Besonders wichtig sind:
Blutverdünner
Details
Blutverdünnende Medikamente
- ASS (Aspirin)
- Clopidogrel
- Eliquis
- Xarelto
- Pradaxa
- Lixiana
- Marcumar
Diese Medikamente dürfen niemals eigenständig abgesetzt werden.
Medikamente gegen Osteoporose
Details
- Bisphosphonate
- Denosumab
Diese Medikamente können Einfluss auf die Knochenheilung haben.
Immunsuppressive Medikamente
Details
- Cortison
- Methotrexat
- Biologika
Vorerkrankungen
Bitte informieren Sie uns über sämtliche Erkrankungen.
Besonders wichtig sind:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Diabetes mellitus
- Gerinnungsstörungen
- Asthma
- Allergien
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
- Voroperationen an den Nasennebenhöhlen
- Tumorerkrankungen
Rauchen
Rauchen verschlechtert die Durchblutung und erhöht das Risiko von:
- Wundheilungsstörungen
- Infektionen
- Nahtdehiszenzen
- verzögerter Heilung
Je länger vor und nach dem Eingriff auf Nikotin verzichtet wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Erkältung oder Infekt
Falls Sie kurz vor dem Eingriff unter
- Schnupfen
- Husten
- Fieber
- Nasennebenhöhlenentzündung
leiden, informieren Sie uns bitte.
Unter Umständen kann eine Verschiebung des Eingriffs sinnvoll sein.
Organisation zuhause
Vor dem Eingriff sollten Sie:
- Kühlpacks vorbereiten
- Schmerzmittel bereithalten
- Weiche Lebensmittel einkaufen
- Zusätzliche Kopfkissen
- Für den Heimweg sorgen
- Bei Sedierung oder Narkose eine Begleitperson organisieren
Was passiert während des Eingriffs?
Betäubung
Zugang zur Kieferhöhle
Entfernung des Befundes
Kontrolle der Kieferhöhle
Wundverschluss
Was ist unmittelbar nach dem Eingriff normal?
Nach dem Eingriff können auftreten:
- Druckgefühl im Oberkiefer
- Schwellung der Wange
- Blutgeschmack
- leichte Nachblutung
- Spannungsgefühl
- eingeschränkte Mundöffnung
- Druckgefühl in der Nase
- leichtes Völlegefühl im Bereich der Kieferhöhle
Diese Beschwerden sind meist normale Folgen des Eingriffs.
Die ersten 24 Stunden
Ruhe
Kühlung
Nicht spülen
Oberkörper erhöht lagern
Schlafen Sie in den ersten Nächten mit leicht erhöhtem Oberkörper. Dies kann Schwellungen und Druckgefühle reduzieren.
Besonderheiten nach Kieferhöhlenoperationen
Die Kieferhöhle steht mit der Nase in Verbindung. Deshalb gelten einige zusätzliche Verhaltensregeln.
Nicht schnäuzen
Bitte schnäuzen Sie sich für mindestens 10 bis 14 Tage nicht. Beim Schnäuzen entsteht Druck in der Kieferhöhle, der die Wundheilung stören kann.
Falls die Nase läuft:
- vorsichtig abtupfen
- Nasensekret behutsam ablaufen lassen
- Verwenden Sie ggf abschwellende Nasentropfen.
Niesen
Falls Sie niesen müssen:
Bitte mit geöffnetem Mund niesen.
Dadurch wird der Druck auf die Kieferhöhle reduziert.
Kein Druckaufbau
Vermeiden Sie in den ersten Wochen:
- kräftiges Pressen
- Blasinstrumente
- Tauchen
- Druckausgleichsmanöver
- intensives Luftanhalten bei Krafttraining
Medikamente
Bitte nehmen Sie alle verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein.
Hierzu können gehören:
- Schmerzmittel
- Antibiotika
- abschwellende Nasensprays
- weitere individuell verordnete Medikamente
Bitte verändern Sie Dosierungen nicht eigenständig. Setzen Sie Medikamente nicht ohne Rücksprache ab. Falls Nebenwirkungen auftreten, kontaktieren Sie uns.
Ernährung
Erste Tage
Empfohlen werden:
- weiche Speisen
- lauwarme Speisen
- ausreichend Flüssigkeit
Bitte erst essen wenn die Betäubung abgeklungen ist.
Details
- Suppen
- Kartoffelbrei
- Rührei
- Joghurt
- Quark
- weiche Nudeln
- Haferbrei
Vermeiden Sie
- sehr heiße Speisen
- Alkohol
- scharf gewürzte Speisen
- harte Nahrung
während der ersten Tage.
Mundhygiene
Eine gute Mundhygiene unterstützt die Wundheilung.
Bitte reinigen Sie:
- alle übrigen Zähne normal
- den Operationsbereich vorsichtig nach Anweisung
Die Operationswunde selbst sollte zunächst nicht direkt mit der Zahnbürste bearbeitet werden.
Der normale Heilungsverlauf
Tag 1
Typisch sind:
- leichte Schmerzen
- beginnende Schwellung
- Druckgefühl in der Wange
- leichte Nachblutung
Tag 2
Tag 3
Auch Druckgefühle im Bereich der Kieferhöhle sind häufig.
Tag 4
Dies stellt meist einen normalen Heilungsverlauf dar.
Tag 5-7
Schmerzen, Schwellung und Spannungsgefühl gehen allmählich zurück.
Woche 2
Die Fäden werden meist entfernt.
Woche 3-6
Der Knochenumbau beginnt.
Monat 2-6
Welche Beschwerden sind normal?
Folgende Beschwerden können vorübergehend auftreten:
- Schwellung der Wange
- Druckgefühl unter dem Auge
- Blutergüsse
- Druckgefühl in der Nase
- leichte Kopfschmerzen
- Spannungsgefühl
- eingeschränkte Mundöffnung
- leichte Nachblutungen
- Druckempfindlichkeit beim Kauen
Mögliche Komplikationen
Auch bei sorgfältiger Durchführung können Komplikationen auftreten.
Nachblutung
Stärkere Blutungen sind selten.
Wundheilungsstörung
Gelegentlich kann die Heilung verzögert verlaufen.
Risikofaktoren sind:
- Rauchen
- Diabetes
- Infektionen
- schlechte Mundhygiene
Infektion
Mögliche Hinweise:
- zunehmende Schmerzen
- zunehmende Schwellung
- Eiteraustritt
- unangenehmer Geschmack
- Fieber
Chronische Entzündung der Kieferhöhle
Selten kann eine länger bestehende Entzündung auftreten.
Mögliche Symptome:
- Druckgefühl
- Nasensekret
- unangenehmer Geruch
- wiederkehrende Beschwerden
Eröffnung der Kieferhöhle zur Mundhöhle
In seltenen Fällen kann eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle bestehen bleiben.
Mögliche Hinweise:
- Flüssigkeit tritt beim Trinken aus der Nase aus
- Luft strömt zwischen Mund und Nase
- pfeifende Geräusche
Bitte melden Sie sich in diesem Fall umgehend.
Was ist normal – und was nicht?
Normal
- Schwellung bis Tag 4
- Druckgefühl in der Wange
- Leichte Nachblutung
- Blutergüsse
- Leichte Temperaturerhöhung
- Spannungsgefühl
- Vorübergehende Mundöffnungseinschränkung
Nicht Normal
- Zunehmende Schwellung nach Tag 5
- Neu auftretende starke Schmerzen
- Anhaltende starke Blutung
- Eiteraustritt
- Fieber über 38,5 °C
- Atembeschwerden
- Rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Wann sollten Sie sofort Kontakt aufnehmen?
Bitte melden Sie sich umgehend bei Ihrem Behandler bei:
- Fieber über 38,5 °C
- zunehmender Schwellung nach dem fünften Tag
- starken Schmerzen trotz Schmerzmitteln
- Eiteraustritt
- Atembeschwerden
- Schluckbeschwerden
- anhaltender starker Blutung
- Flüssigkeitsaustritt aus der Nase beim Trinken
- Luftdurchtritt zwischen Mund und Nase
- allergischen Reaktionen auf Medikamente
Sport und körperliche Belastung
In der ersten Woche sollten Sie körperliche Belastungen vermeiden.
Hierzu gehören:
- Joggen
- Krafttraining
- Radfahren
- schwere körperliche Arbeit
Leichte körperliche Aktivitäten sind meist nach einigen Tagen wieder möglich.
Intensivere Belastungen sollten erst nach Freigabe durch Ihren Behandler erfolgen.
Fäden und Kontrolltermine
Da nicht resorbierbare Fäden verwendet werden, ist eine Fadenentfernung erforderlich.
Bitte nehmen Sie alle vereinbarten Kontrolltermine wahr.
Kontrolltermine dienen dazu:
- die Heilung zu überwachen
- Komplikationen frühzeitig zu erkennen
- das Ergebnis zu beurteilen
gegebenenfalls Befunde aus der feingeweblichen Untersuchung zu besprechen
Zusammenfassung
Eingriffe an der Kieferhöhle werden häufig zur Entfernung von Fremdkörpern, Wurzelresten, Implantatanteilen, Zysten oder anderen auffälligen Gewebeveränderungen durchgeführt. Schwellungen, Druckgefühle und Spannungsgefühle nehmen häufig bis etwa zum vierten Tag nach der Operation zu und beginnen anschließend langsam zurückzugehen. Besonders wichtig für eine komplikationsfreie Heilung sind körperliche Schonung, konsequente Kühlung, die Einnahme der verordneten Medikamente, das Vermeiden von Schnäuzen sowie das Niesen mit geöffnetem Mund. Bei Fieber, zunehmender Schwellung nach dem fünften Tag, Eiteraustritt oder Hinweisen auf eine Verbindung zwischen Mund und Nase sollten Sie umgehend Kontakt mit Ihrem Behandlungsteam aufnehmen.



