Optimale Nachsorge verstehen

Wurzelspitzenresektion (WSR)

Was ist eine Wurzelspitzenresektion?

Die Wurzelspitzenresektion (WSR) ist ein chirurgischer Eingriff zum Erhalt eines Zahnes. Dabei wird die entzündete oder erkrankte Wurzelspitze eines Zahnes entfernt. Gleichzeitig werden entzündliches Gewebe, Zysten oder andere krankhafte Veränderungen im Bereich der Wurzelspitze beseitigt.

Eine Wurzelspitzenresektion kommt häufig dann in Betracht, wenn eine Entzündung trotz einer bereits durchgeführten Wurzelkanalbehandlung nicht vollständig ausgeheilt ist oder wenn eine erneute Wurzelkanalbehandlung nicht erfolgversprechend erscheint.

Ziel des Eingriffs ist es, den natürlichen Zahn langfristig zu erhalten. Der Eingriff ist immer ein VERSUCH !!!!!  da es multiple Gründe für die Probleme des Zahns geben kann.

Warum wird eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt?

Häufige Gründe sind:

  • Anhaltende Entzündungen an der Wurzelspitze
  • Zysten im Bereich der Wurzelspitze
  • Fistelgänge
  • Beschwerden trotz Wurzelkanalbehandlung
  • Nicht vollständig erreichbare Wurzelkanäle
  • Instrumentenfrakturen im Wurzelkanal
  • Anatomische Besonderheiten der Wurzel
  • Erhalt eines ansonsten erhaltungswürdigen Zahnes

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Medikamente

Bitte informieren Sie uns über sämtliche Medikamente, die Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen.
Besonders wichtig sind:

Blutverdünnende Medikamente

Details
  • ASS (Aspirin)
  • Clopidogrel
  • Eliquis
  • Xarelto
  • Pradaxa
  • Lixiana
  • Marcumar

Medikamente gegen Osteoporose

Details
  • Bisphosphonate
  • Denosumab

Diese Medikamente können Einfluss auf die Knochenheilung haben.

Immunsuppressive Medikamente

Details
  • Cortison
  • Methotrexat
  • Biologika

Bitte setzen Sie diese Medikamente niemals eigenständig ab.

Erkrankungen

Bitte informieren Sie uns über sämtliche Erkrankungen. 

Besonders wichtig sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • Gerinnungsstörungen
  • Allergien
  • Asthma
  • Tumorerkrankungen
  • Voroperationen im Operationsgebiet

Essen und Trinken

Bei einer Behandlung in örtlicher Betäubung sollten Sie vor dem Eingriff normal essen und trinken.
Bitte erscheinen Sie nicht nüchtern zur Behandlung.
Bei Eingriffen in Sedierung gelten die gesonderten Nüchternheitsregeln.

Rauchen

Rauchen erhöht das Risiko für:

  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen
  • Schwellungen
  • verzögerte Heilung

Je länger vor und nach dem Eingriff auf Nikotin verzichtet wird, desto günstiger verläuft die Heilung.

Organisation zuhause

Vor dem Eingriff sollten Sie:

  • Kühlpacks vorbereiten
  • Schmerzmittel bereithalten
  • Weiche Lebensmittel einkaufen
  • Für den Heimweg sorgen
  • Bei Sedierung oder Narkose eine Begleitperson organisieren

Was passiert während der Wurzelspitzenresektion?

Betäubung

Der Eingriff erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung. Während der Behandlung können Sie Druck, Zug oder Vibrationen wahrnehmen, Schmerzen sollten dabei jedoch nicht auftreten.

Freilegung der Wurzelspitze

Über einen kleinen Zugang im Zahnfleisch wird der Bereich der Wurzelspitze dargestellt. Anschließend wird ein kleiner Zugang durch den Knochen geschaffen.

Entfernung der Wurzelspitze

Die erkrankte Wurzelspitze wird entfernt. Dabei werden gleichzeitig entzündliche Gewebeanteile oder gegebenenfalls Zysten beseitigt.

Kontrolle und Reinigung

Das Operationsgebiet wird sorgfältig gereinigt. Je nach Situation erfolgt zusätzlich eine Behandlung und Abdichtung des Wurzelkanals von der Wurzelspitze aus.

Wundverschluss

Zum Abschluss wird das Operationsgebiet vernäht. In unserer Praxis werden nicht resorbierbare Fäden verwendet. Diese müssen bei einem späteren Kontrolltermin entfernt werden.

Was ist unmittelbar nach dem Eingriff normal?

Nach einer Wurzelspitzenresektion können auftreten:

  • Druckgefühl
  • Schwellung
  • Blutgeschmack
  • leichte Nachblutung
  • Spannungsgefühl
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Beschwerden beim Kauen
  • eingeschränkte Mundöffnung

Diese Beschwerden sind in den ersten Tagen meist völlig normal.

Was passiert während der Zahnextraktion?

Betäubung

Zunächst erfolgt eine örtliche Betäubung.
Die meisten Patienten verspüren danach Druck, Zug oder Vibrationen, aber keine Schmerzen.

Lockerung des Zahnes

Der Zahn wird vorsichtig gelockert.
Hierfür werden spezielle Instrumente verwendet.

Entfernung des Zahnes

Anschließend wird der Zahn aus seinem Knochenfach entfernt.
Bei komplizierten Situationen kann es notwendig sein, das Zahnfleisch anzuheben, Knochen abzutragen oder den Zahn zu teilen.

Reinigung der Wunde

Nach der Entfernung wird das Zahnfach kontrolliert.
Dabei können entzündliches Gewebe, Zystenreste oder Granulationsgewebe entfernt werden.

Blutstillung

Zum Abschluss erfolgen das Ausspülen, die Blutstillung und gegebenenfalls der Nahtverschluss. Danach wird ein Tupfer aufgelegt.

Die ersten 24 Stunden

Auf den Tupfer beißen

Falls ein Tupfer eingelegt wurde:

  • etwa 30 bis 60 Minuten fest zubeißen
  • nicht ständig kontrollieren

Jedes Nachsehen kann die Blutgerinnung stören.

Nicht spülen

Bitte in den ersten 24 Stunden:

  • nicht kräftig spülen
  • nicht gurgeln

Dadurch wird die Wundheilung unterstützt.

Kühlung

Kühlen Sie die betroffene Gesichtshälfte regelmäßig:

  • 15 Minuten kühlen
  • 15 Minuten Pause

über mehrere Stunden.

Kühlpacks niemals direkt auf die Haut legen.

Ruhe

Vermeiden Sie am Operationstag:

  • Sport
  • körperliche Anstrengung
  • schweres Heben
  • Gartenarbeit
  • körperlich belastende Tätigkeiten

Medikamente

Bitte nehmen Sie sämtliche verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein.

Hierzu können gehören:

  • Schmerzmittel
  • Antibiotika
  • Mundspüllösungen
  • Weitere individuell verordnete Medikamente

Bitte verändern Sie Dosierungen nicht eigenständig. Bitte setzen Sie Medikamente nicht ohne Rücksprache ab.

Ernährung

Erste Tage

Empfohlen werden:

  • weiche Speisen
  • lauwarme Speisen
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr

geeignet sind unter anderem folgende Nahrungsmittel:

  • Kartoffelbrei
  • Rührei
  • Joghurt
  • Quark
  • Suppen
  • weiche Nudeln
  • Haferbrei

Vermeiden Sie

  • sehr heiße Speisen
  • Alkohol
  • harte Nahrung
  • scharf gewürzte Speisen

während der ersten Tage.

Mundhygiene

Eine gute Mundhygiene unterstützt die Wundheilung.

Bitte reinigen Sie:

  • alle übrigen Zähne normal
  • das Operationsgebiet vorsichtig nach Anweisung

Die Operationswunde sollte zunächst nicht direkt mit der Zahnbürste bearbeitet werden.

Bitte erst essen wenn die Betäubung abgeklungen ist

Der normale Heilungsverlauf

Tag 1

Typisch sind:

  • leichte Schmerzen
  • beginnende Schwellung
  • Druckgefühl
  • leichte Nachblutung

Tag 2

Schwellung und Spannungsgefühl nehmen häufig weiter zu.

Tag 3

Viele Patienten berichten über eine deutliche Schwellung und Druckempfindlichkeit.

Tag 4

Die stärkste Schwellung und die deutlichsten Beschwerden werden häufig um den vierten Tag erreicht.

Dies stellt in den meisten Fällen einen normalen Heilungsverlauf dar.

Tag 5-7

Die Beschwerden beginnen normalerweise langsam zurückzugehen.

Schmerzen, Schwellung und Spannungsgefühl bessern sich schrittweise.

Woche 2

Die Schleimhautheilung ist weit fortgeschritten.

Die Fäden werden entfernt.

Woche 3-6

Der Knochen heilt weiter aus.

Die meisten Patienten sind vollständig beschwerdefrei.

Monat 2-6

Der Knochenumbau im Bereich der Wurzelspitze setzt sich fort.

Die endgültige Heilung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Welche Beschwerden sind normal?

Folgende Beschwerden können nach einer Wurzelspitzenresektion auftreten:

  • Schwellung
  • Blutergüsse
  • Druckgefühl
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Beschwerden beim Kauen
  • leichte Mundöffnungseinschränkung
  • vorübergehende Temperaturerhöhung
  • leichte Nachblutung

Diese Beschwerden sollten sich ab dem fünften Tag schrittweise bessern.

Mögliche Komplikationen

Auch bei sorgfältiger Durchführung können Komplikationen auftreten.

Nachblutung

Leichte Nachblutungen sind häufig.

Stärkere Nachblutungen sind selten.

Wundheilungsstörung

In einzelnen Fällen kann die Heilung verzögert verlaufen.

Risikofaktoren sind:

  • Rauchen
  • Diabetes
  • Infektionen
  • schlechte Mundhygiene

Infektion

Mögliche Hinweise:

  • zunehmende Schmerzen
  • zunehmende Schwellung
  • Eiteraustritt
  • unangenehmer Geschmack
  • Fieber

Erneute Entzündung

In seltenen Fällen kann trotz erfolgreicher Operation erneut eine Entzündung auftreten.

Dann können weitere Behandlungsmaßnahmen erforderlich werden.

Kieferhöhlenbeteiligung

Bei Wurzelspitzenresektionen an oberen Seitenzähnen besteht aufgrund der Nähe zur Kieferhöhle ein geringes Risiko einer Eröffnung oder Reizung der Kieferhöhle.

Was ist normal – und was nicht?

Normal

  • Schwellung bis Tag 4
  • Druckgefühl
  • Leichte Nachblutung
  • Blutergüsse
  • Leichte Temperaturerhöhung
  • Spannungsgefühl
  • Vorübergehende Mundöffnungseinschränkung

Nicht Normal

  • Zunehmende Schwellung nach Tag 5
  • Neu auftretende starke Schmerzen
  • Anhaltende starke Blutung
  • Eiteraustritt
  • Fieber über 38,5 °C
  • Atembeschwerden
  • Rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes

Wann sollten Sie uns kontaktieren?

Bitte nehmen Sie umgehend Kontakt mit uns auf bei:

  • Fieber über 38,5 °C
  • zunehmender Schwellung nach dem fünften Tag
  • starken Schmerzen trotz Schmerzmitteln
  • Eiteraustritt
  • anhaltender starker Blutung
  • Atembeschwerden
  • Schluckbeschwerden
  • allergischen Reaktionen auf Medikamente
  • neu auftretenden oder zunehmenden Gefühlsstörungen

Sport und körperliche Belastung

Verzichten Sie in der ersten Woche möglichst auf:

  • Joggen
  • Fitnessstudio
  • Krafttraining
  • Radfahren
  • schwere körperliche Arbeit

Leichte körperliche Aktivitäten sind häufig nach wenigen Tagen wieder möglich. Mit intensiver sportlicher Belastung sollte bis zur Kontrolle gewartet werden.

Fäden und Kontrolltermine

Da nicht resorbierbare Fäden verwendet werden, ist eine Fadenentfernung erforderlich.

Diese dienen dazu:

  • die Wundheilung zu kontrollieren
  • Komplikationen frühzeitig zu erkennen
  • den Behandlungserfolg zu beurteilen
  • gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu planen
Bitte nehmen Sie alle vereinbarten Kontrolltermine wahr.

Zusammenfassung

Die Wurzelspitzenresektion ist ein bewährter chirurgischer Eingriff zum Erhalt eines erhaltungswürdigen Zahnes. Schwellungen, Druckgefühl und Beschwerden beim Kauen nehmen in den ersten Tagen häufig zu und erreichen ihren Höhepunkt oft um den vierten Tag. Ab dem fünften Tag tritt normalerweise eine kontinuierliche Besserung ein. Entscheidend für eine komplikationsfreie Heilung sind körperliche Schonung, konsequente Kühlung, gute Mundhygiene, die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente sowie die Wahrnehmung der Kontrolltermine. Bei zunehmenden Beschwerden nach dem fünften Tag, Fieber, Eiteraustritt oder stärkeren Nachblutungen sollte eine zeitnahe Kontrolle erfolgen.