Optimale Nachsorge verstehen

Eingriffe an der Mundschleimhaut und Zunge

Umfassender Patientenratgeber zur Weichteilchirurgie in der Mundhöhle

Was versteht man unter Weichteilchirurgie in der Mundhöhle?

Unter Weichteilchirurgie versteht man operative Eingriffe an den Schleimhäuten und Weichgeweben der Mundhöhle.

Hierzu gehören unter anderem Eingriffe an:

  • Mundschleimhaut
  • Zunge
  • Lippen
  • Wangeninnenseiten
  • Mundboden
  • Gaumen
  • Zahnfleisch

Viele dieser Eingriffe dienen der Abklärung oder Behandlung von Veränderungen, die bei einer Untersuchung festgestellt wurden.
In zahlreichen Fällen handelt es sich um kleine ambulante Eingriffe, die in örtlicher Betäubung durchgeführt werden können.

Warum werden Eingriffe an der Mundschleimhaut durchgeführt?

Mögliche Gründe sind:

  • Auffällige Schleimhautveränderungen
  • Weiße Schleimhautveränderungen
  • Rote Schleimhautveränderungen
  • Knoten oder Verdickungen
  • Schwellungen
  • Schleimhautzysten
  • Druckstellen
  • Chronische Entzündungen
  • Wiederkehrende Schleimhautveränderungen
  • Schmerzen unklarer Ursache
  • Verdacht auf gutartige Veränderungen
  • Verdacht auf bösartige Veränderungen

In vielen Fällen ist eine feingewebliche Untersuchung notwendig, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Was ist eine Probeentnahme (Biopsie)?

Bei einer Biopsie wird eine kleine Gewebeprobe entnommen. Diese wird anschließend in einem spezialisierten pathologischen Institut untersucht. Die feingewebliche Untersuchung ermöglicht häufig eine eindeutige Diagnose und bildet die Grundlage für die weitere Behandlung.

Was ist eine vollständige Entfernung (Exzision)?

In manchen Fällen kann die gesamte Veränderung entfernt werden.

Dies geschieht beispielsweise bei:

  • kleinen Schleimhautveränderungen
  • gutartigen Tumoren
  • Fibromen
  • Schleimzysten
  • auffälligen Gewebeveränderungen

Das entfernte Gewebe wird ebenfalls feingeweblich untersucht.

Warum werden Eingriffe an der Zunge durchgeführt?

Die Zunge gehört zu den empfindlichsten und am besten durchbluteten Organen des Körpers.

Gründe für Eingriffe an der Zunge können sein:

  • Auffällige Schleimhautveränderungen
  • Weiße oder rote Areale
  • Knotenbildungen
  • Schmerzhafte Veränderungen
  • Chronische Entzündungen
  • Gutartige Tumoren
  • Gewebeproben zur Diagnostik
  • Entfernung auffälliger Gewebeareale

Die meisten Eingriffe betreffen kleine oberflächliche Bereiche und können ambulant durchgeführt werden.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Medikamente

Bitte informieren Sie uns über sämtliche Medikamente, die Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen.
Besonders wichtig sind:

Blutverdünnende Medikamente

Details
  • ASS
  • Clopidogrel
  • Eliquis
  • Xarelto
  • Pradaxa
  • Lixiana
  • Marcumar

Bitte setzen Sie diese Medikamente niemals eigenständig ab.

Medikamente gegen Osteoporose

Details
  • Bisphosphonate
  • Denosumab

Immunsuppressive Medikamente

Details
  • Cortison
  • Methotrexat
  • Biologika

Erkrankungen

Bitte informieren Sie uns über sämtliche Erkrankungen.
Besonders wichtig sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes mellitus
  • Gerinnungsstörungen
  • Allergien
  • Immunschwäche
  • Tumorerkrankungen
  • Frühere Operationen im Mundbereich

Essen und Trinken

Bei einer Behandlung in örtlicher Betäubung dürfen Sie vorher normal essen und trinken.
Bitte erscheinen Sie nicht nüchtern.
Bei einer Sedierung gelten die gesonderten Nüchternheitsregeln.

Rauchen

Nikotin kann die Wundheilung erheblich beeinträchtigen.

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für:

  • Nachblutungen
  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen
  • verzögerte Heilung

Organisation zuhause

Vor dem Eingriff sollten Sie:

  • Kühlpacks und Eiswürfel vorbereiten
  • Schmerzmittel bereithalten
  • Weiche Lebensmittel einkaufen
  • Für den Heimweg sorgen
  • Bei Sedierung oder Narkose eine Begleitperson organisieren

Was passiert während des Eingriffs?

Betäubung

Der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung. Während der Behandlung können Sie Berührungen, Druck oder Zug wahrnehmen, Schmerzen sollten dabei jedoch nicht auftreten.

Entfernung oder Probeentnahme

Je nach Befund kann eine Gewebeprobe entnommen, eine Veränderung vollständig entfernt oder entzündliches bzw. gutartiges Gewebe entfernt werden. Das entnommene Gewebe wird in der Regel zur feingeweblichen Untersuchung eingesandt.

Blutstillung

Die Mundschleimhaut und insbesondere die Zunge sind sehr gut durchblutet. Daher erfolgt eine sorgfältige Blutstillung.

Wundverschluss

Die Wunde wird meist mit Nähten verschlossen. In unserer Praxis werden nicht resorbierbare Fäden verwendet. Diese müssen bei einem späteren Termin entfernt werden.

Was ist unmittelbar nach dem Eingriff normal?

Nach dem Eingriff können auftreten:

  • Druckgefühl
  • Schwellung
  • Spannungsgefühl
  • Blutgeschmack
  • leichte Nachblutung
  • Empfindlichkeit beim Essen
  • Beschwerden beim Sprechen
  • Beschwerden beim Schlucken

Diese Beschwerden sind in den ersten Tagen meist normal.

Die ersten 24 Stunden

Auf den Tupfer beißen

Falls ein Tupfer eingelegt wurde:

  • etwa 30 bis 60 Minuten fest zubeißen
  • nicht ständig kontrollieren

Nicht spülen

Bitte in den ersten 24 Stunden:

  • nicht kräftig spülen
  • nicht gurgeln

Kühlung

Kühlen Sie die betroffene Region von außen:

  • 15 Minuten kühlen
  • 15 Minuten Pause

über mehrere Stunden.

Ruhe

Vermeiden Sie am Operationstag:

  • körperliche Anstrengung
  • Sport
  • schweres Heben
  • intensive körperliche Belastungen

Ernährung

Erste Tage

Die Schleimhaut heilt besonders gut, wenn mechanische Reizungen reduziert werden.

Empfohlen werden:

  • weiche Speisen
  • lauwarme Speisen
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr

geeignet sind unter anderem folgende Nahrungsmittel:

  • Kartoffelbrei
  • Rührei
  • Joghurt
  • Quark
  • Suppen
  • weiche Nudeln
  • Haferbrei

Vermeiden Sie

  • sehr heiße Speisen
  • Alkohol
  • harte Nahrung
  • scharf gewürzte Speisen
  • stark säurehaltige Lebensmittel

Diese können die Wunde reizen und Schmerzen verstärken.

Mundhygiene

Eine gute Mundhygiene unterstützt die Heilung.

Bitte reinigen Sie:

  • alle übrigen Zähne normal
  • das Operationsgebiet vorsichtig nach Anweisung

Die Operationswunde sollte zunächst nicht direkt mit der Zahnbürste bearbeitet werden.

Bitte erst essen wenn die Betäubung abgeklungen ist

Besonderheiten bei Eingriffen an der Zunge

Nach Eingriffen an der Zunge können zusätzlich auftreten:

  • Schwellungen der Zunge
  • Spannungsgefühl
  • Vorübergehende Sprachveränderungen
  • Beschwerden beim Kauen
  • Beschwerden beim Schlucken

Diese Beschwerden sind in den ersten Tagen häufig und meist unbedenklich.

Der normale Heilungsverlauf

Tag 1

Typisch sind:

  • leichte Schmerzen
  • beginnende Schwellung
  • Druckgefühl
  • leichte Nachblutung

Tag 2

Schwellung und Spannungsgefühl nehmen häufig weiter zu.

Tag 3

Die Operationsregion kann deutlich empfindlicher erscheinen.
Besonders an der Zunge werden Schwellungen jetzt häufig stärker wahrgenommen.

Tag 4

Die stärkste Schwellung und die deutlichsten Beschwerden werden häufig um den vierten Tag erreicht.
Dies stellt meist einen normalen Heilungsverlauf dar.

Tag 5-7

Die Beschwerden beginnen normalerweise langsam zurückzugehen.
Schmerzen, Schwellung und Spannungsgefühl bessern sich schrittweise.

Woche 2

Die Schleimhautheilung ist weit fortgeschritten.
Die Fäden werden entfernt.

Woche 3-6

Die Gewebeheilung setzt sich fort.
Die meisten Patienten sind vollständig beschwerdefrei.

Mögliche Komplikationen

Auch bei sorgfältiger Durchführung können Komplikationen auftreten.

Nachblutung

Die Mundschleimhaut und die Zunge sind stark durchblutet.
Leichte Nachblutungen sind daher nicht ungewöhnlich.

Wundheilungsstörung

Gelegentlich kann die Heilung verzögert verlaufen.
Risikofaktoren sind:

  • Rauchen
  • Diabetes
  • Infektionen
  • schlechte Mundhygiene

Infektion

Mögliche Hinweise:

  • zunehmende Schmerzen
  • zunehmende Schwellung
  • Eiteraustritt
  • unangenehmer Geschmack
  • Fieber

Vorübergehende Gefühlsveränderungen

In seltenen Fällen können auftreten:

  • Taubheitsgefühle
  • Kribbeln
  • veränderte Empfindungen

Diese bilden sich meist wieder zurück.

Narbenbildung

In Einzelfällen kann eine stärkere Narbenbildung auftreten.
Dies ist insbesondere bei größeren Eingriffen möglich.

Was ist normal – und was nicht?

Normal

  • Schwellung bis Tag 4
  • Druckgefühl
  • Leichte Nachblutung
  • Spannungsgefühl
  • Leichte Temperaturerhöhung
  • Beschwerden beim Essen
  • Beschwerden beim Sprechen

Nicht Normal

  • Zunehmende Schwellung nach Tag 5
  • Neu auftretende starke Schmerzen
  • Anhaltende starke Blutung
  • Eiteraustritt
  • Fieber über 38,5 °C
  • Atembeschwerden
  • Rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes

Wann sollten Sie sofort Kontakt aufnehmen?

Bitte melden Sie sich umgehend bei Ihrem Behandler bei:

  • Fieber über 38,5 °C
  • zunehmender Schwellung nach dem fünften Tag
  • starken Schmerzen trotz Schmerzmitteln
  • Eiteraustritt
  • anhaltender starker Blutung
  • Atembeschwerden
  • zunehmenden Schluckbeschwerden
  • allergischen Reaktionen auf Medikamente
  • neu auftretenden oder zunehmenden Gefühlsstörungen
Besonders nach Eingriffen an der Zunge sollten zunehmende Schluck- oder Atembeschwerden immer umgehend abgeklärt werden.

Sport und körperliche Belastung

Verzichten Sie in der ersten Woche möglichst auf:

  • Joggen
  • Fitnessstudio
  • Krafttraining
  • Radfahren
  • schwere körperliche Arbeit

Leichte körperliche Aktivitäten sind häufig nach wenigen Tagen wieder möglich.

Fäden und Kontrolltermine

Da nicht resorbierbare Fäden verwendet werden, ist eine Fadenentfernung erforderlich.

Diese dienen dazu:

  • die Wundheilung zu kontrollieren
  • Komplikationen frühzeitig zu erkennen
  • das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung zu besprechen
  • gegebenenfalls weitere Behandlungsmaßnahmen zu planen
Bitte nehmen Sie alle vereinbarten Kontrolltermine wahr.

Die feingewebliche Untersuchung

Viele Veränderungen der Mundschleimhaut können äußerlich ähnlich aussehen. Erst die Untersuchung durch einen Pathologen ermöglicht häufig eine sichere Diagnose. Das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung liegt in der Regel zwei Wochen nach dem Eingriff vor und wird mit Ihnen besprochen.

Zusammenfassung

Eingriffe an der Mundschleimhaut und Zunge dienen häufig der Diagnostik oder Behandlung auffälliger Gewebeveränderungen. In vielen Fällen wird eine Gewebeprobe entnommen oder die Veränderung vollständig entfernt. Schwellungen, Spannungsgefühle und Beschwerden beim Essen oder Sprechen nehmen häufig bis zum vierten Tag zu und gehen anschließend langsam zurück. Eine gute Mundhygiene, körperliche Schonung, die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente sowie die Wahrnehmung der Kontrolltermine tragen wesentlich zu einer komplikationsfreien Heilung bei. Bei zunehmenden Beschwerden nach dem fünften Tag, Fieber, Eiteraustritt, stärkeren Nachblutungen oder Atembeschwerden sollte eine zeitnahe Kontrolle erfolgen.